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Aktuelles Newsbeiträge

28.10.2019

Zu früh geht niemand mehr ins Heim

Die Gesprächsrunde am Freitag, 25.10.2019, in Liestal zum Thema «Pflege im Alter: daheim oder im Heim?» war gut besucht.

Die Gesprächspartnerinnen und -partner von Moderator Röbi Koller erzählten offen aus ihrem Leben. ​​​​​​Wie schwierig es ist, eine Entscheidung zu treffen, wenn es darum geht, wo man lebt, wenn man alt geworden ist. Nur, es beginnt schon bei der Frage: Wann ist jemand alt? Wie alt ist alt? In einem Videoeinspieler sagte Franz Hohler, bekannter Kabarettist und 76 Jahre alt: «Wenn ich einmal alt bin, dann räume ich mein Zimmer auf.»

Wie ist es denn mit der Frage, wenn ich alt bin, ziehe ich in ein Pflegeheim um? Diesen Satz sagt fast niemand freiwillig. Denn das Wohnen im Pflegeheim ist mit sehr vielen Vorurteilen behaftet. Dorli Biedert (91), Bewohnerin Stiftung Hofmatt in Münchenstein: «Ich habe ein neues Hüftgelenk erhalten und musste mir die Frage stellen, wer auf mich schaut, sollte ich es einmal nicht mehr allein schaffen. Da ich keine Familie habe, war für mich der Schritt ins Alterszentrum klar.» Die ehemalige Gemeindeschwester von Münchenstein lebt sehr gerne in der Stiftung Hofmatt in Münchenstein.

Hanspeter Meier, Co-Präsident graue Panther, der seine demente Frau zu Hause pflegt, sie aber auch regelmässig in die Tagesstätte nach Münchenstein bringt, erklärte, dass der Konflikt, in dem man als Angehöriger stecke, täglich ausgefochten werden muss. «Mache ich genug für meine Frau? Schaff ich es noch mit ihr zuhause oder muss ich sie ins Heim geben? Darf ich ihr das «antun»? Heute bin ich am Punkt angelangt, an dem ich sagen kann: Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr, dass meine Frau ins Pflegeheim kommt.»

Dr. Klaus Bally sagte, dass es in Zukunft wichtig sei, ein Netzwerk an Personen aufzubauen (aus dem professionellen, aber auch privaten Umfeld, sogenannte «caring communitys»), die sich um betagte Personen kümmern. 

Mariette Jecker, frisch pensionierte Pflegefachfrau, gab zu bedenken, dass die Pflegefachpersonen sozusagen «die Anwälte» der betagten Personen seien, die Angehörigen jedoch die Expertinnen und Experten, wenn es darum gehe, das beste Setting für die betagte Person zu bestimmen. 

Text: Jolanda Eggenberger, CURAVIVA Baselland

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